Nach dem furiosen Start in die Zweitligasaison gegen Giesen II standen für die Mannschaft von Philipp Maasberg mit den MLK Volleys Köln und dem Volleyballinternat Frankfurt zwei richtungsweisende Auswärtsspiele an. Mit einem bis auf Diagonalangreifer Pascal Grothe vollen Kader (Kapitän Stefan Spieweg nahm die Rolle des Co-Trainers ein) traten 14 motivierte Braunschweiger ein langes Wochenende an.
Angekommen in der kleinen Kölner Halle im Stadtteil Weiden legten die Braunschweiger einen Start hin, der nahtlos an das Heimspiel anknüpfte. Viel Aufschlagdruck, Blockpräsenz und Abwehrbereitschaft erspielten eine komfortable Führung für die Mannschaft um Bundesligadebütant und einzige Änderung zum Heimspiel Luka Wlodasch (Diagonal), die nur am Satzende noch einmal wackelte. Mit einem wuchtigen Angriff über Mattis Jaeger, der erneut mit Max Rössig im Mittelblock startete, ging der 4. Satz in Folge mit 25:22 an den USC. Getragen von der überzeugenden Leistung setzten sich die Gäste auch in Satz 2 früh ab. So langsam gewann Köln aber Selbstvertrauen und die bekannt giftige Spielweise lies die Führung langsam kippen. 1:1 nach zwei Sätzen.
Unbeeindruckt startete der USC in Satz 3, führte mit 7:5, als sich Leistungsträger Max Rössig ohne Fremdeinwirkung schwer verletzte. Unverhofft kam Neuzugang Max Müller unter schwierigen Bedingungen zu seinem Bundesligadebüt, mit einer Mannschaft, der der Schock deutlich anzumerken war. Trotz allem schafften es die 6 Spieler auf dem Feld bis zum Satzende mitzuhalten, Köln agierte in der Crunchtime abgezockter und nutzte die Verunsicherung der Braunschweiger aus, stellte mit 25:23 auf 2:1. Gebrochen von dem Kampf, mit selbstbewussten Kölnern und einem Annahmeriegel, der zu schwimmen begann, war das Spiel bereits auserzählt. 5:10, Auszeit, Ratlosigkeit. Mit Fabian Trost im Aufschlag wurde bis auf 11:12 verkürzt, um bei 15:18 wieder den Anschluss fast zu verlieren. Jetzt aber mobilisierte das am Boden liegende USC-Team nochmals alle verbliebenen Kräfte, David Galland und Louis Meyer kamen im Doppelwechsel für Luka Wlodasch und Mattis Janßen. Als bei 20:21 der Wechsel zurückgedreht wurde, war der Glauben an die eigenen Stärken wieder zurückgekehrt. 4 Matchbälle wurden mit Nervenstärke, Glück und einer roten Karte abgewehrt. Das aufreizende Schnürsenkelbinden des Kölner Liberos brachte den gelben Karton bereits früher im Satz ein, sodass die rote Karte folgen musste, als der Kölner Trainer den Überblick über seine eigenen Wechsel verlor und den bereits ein- und wieder ausgewechselten Luis Henrichs erneut aufs Feld schicken wollte. Mit einer überragenden Abwehrleistung und einem Block vom eingewechselten Max Müller ging der Satz zur Überraschung aller doch noch nach Braunschweig. 32:30.
Im Tie-Break spielte der USC befreit auf, es wurde gegen ein Topteam unter schwierigsten Bedingungen bereits jetzt der nächste Punktgewinn eingetütet. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich beeindruckte da niemanden mehr, ein Ass von Louis Meyer, die Abwehrarbeit und erneut ein Müllerscher Block setzten den Deckel drauf. Vollkommen verdient wurde der 19-Jährige Luka Wlodasch zum MVP gekürt.
Sonntag in Frankfurt
Mit bereits 2 gewonnenen Punkten ging es nach einer Übernachtung in Köln Richtung Frankfurt. Ohne auch nur ein ungefähres Bild, was wer und wie den USC da erwartet, gab das Einschlagen ein erstes Bild der Jugenspieler ab: Athletisch, dynamisch, viel Tempo. Philipp Maasberg begegnete dem mit der Erfahrung von Johannes Gottschall. Der Routinier, am Vortag als überragender Aufschlagjoker eingesetzt, feierte sein Starting-6 Debüt in dieser Saison. Auch sonst wurde kräftig durchgewechselt, im Mittelblock starteten erstmals Max Müller und Tobias Thie, auf Diagonal kam Louis Meyer zum Einsatz, im Zuspiel bekam David Galland das Vertrauen und Tobias Feustel bekleidete die Liberoposition. Einzig Mika Püschmann blieb.

Im ersten Satz der immens hohen und wahnsinnig hallenden Frankfurter Wintersporthalle entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe mit phasenweise leichten Vorteilen für Braunschweig. Doch gerade über Außen und Pipe stellten die Frankfurter immer wieder unlösbare Aufgaben, sodass am Ende der Satz er in der Verlängerung entschieden wurde. Mit der 1:0 Führung für Braunschweig wurde es im zweiten Satz etwas unsortierter bei den Frankfurtern, die viele Eigenfehler produzierten und damit einen leichten Satzgewinn für den USC ermöglichten. Im 3. Satz, nach einigen Umstellungen im Team von Trainer Dominik von Känel, spielten sich die Hessen in einen Lauf und hatten bei 24:21 drei Satzbälle für den Anschluss. Mit Johannes Gottschall am Aufschlag, Max Müller im Block, den eingewechselten Luka Wlodasch und Tim Klettke in der Abwehr sowie dem lauten Fanclub unserer weiblichen u13 (absolvierten ein Turnier in Wiesbaden), die uns frenetisch zu Höchstleistungen anfeuerten, gelang die Aufholjagd und mit 26:24 gewann der USC 3:0.

Ein Saisonstart mit 8 Punkten aus 3 Spielen ist von den kühnsten Optimisten nicht vorhergesagt worden, aber es ist auch klar: Über 5 oder 0 Punkte an diesem Wochenende haben Nuancen entschieden, oftmals mit dem glücklicheren Ende für Braunschweig. Bis zum Saisonziel Klassenerhalt ist es ein weiter Weg, nach dem Wochenende haben aber bereits alle Spieler Bundesligaluft geschnuppert. Und so groß die Freude darüber ist, dass dabei alle abgeliefert haben: der Schmerz, dass Max Rössig dem Team monatelang fehlen wird, sitzt immer noch tief.
