Zweitligist USC Braunschweig bleibt weiterhin ungeschlagen

In einer erneut ausverkauften IGS Wendenring war mit dem PSV Neustrelitz das nächste Zeitliga-Schwergewicht zu Gast. Heimgesucht von zahlreichen Ausfällen, reisten die Mecklenburger nur mit 9 Spielern an. Qualitativ immer noch hochklassig besetzt, mussten sie nur auf einer Außenposition (Jesco Genzmer rotierte in die Startformation) und beim Libero (Routinier Oliver Heß ersetzte Jacob Genzmer) auf ihre gewohnte Aufstellung verzichten. Dass gerade der später vollkommen verdient als Neustrelitzer MVP ausgezeichnete Oliver Heß die Braunschweiger Angreifer ein ums andere Mal ratlos zurückließ, zeugt von einer immensen Qualität der Gastmannschaft.

Der USC, als Aufsteiger eigentlich immer noch klar in der Underdog-Rolle, wollte mit dem Schwung der ersten Saisonspiele (immer wurde der erste Satz gewonnen) direkt wieder überraschen. Doch zum ersten Mal in dieser Saison machte sich etwas Nervosität breit, das Selbstverständnis in allen Elementen fehlte. Vielleicht schwebte in den Köpfen doch der Gedanke, hier etwas verlieren zu können. Vor heimischem Publikum, gegen nur 9 angereiste Gästespieler? Der PSV nutzte die Verunsicherung gnadenlos aus, Zuspieler Fiete Kramer setzte gerade Kapitän Paul Sprung und den dänischen Außen Victor Dalgas immer wieder in Szene oder verwandelte zweite Bälle einfach selbst (sehr viele, wovon die USCler keinen einzigen im Spiel verteidigten). Auch der Doppelwechsel mit David Galland und Louis Meyer für Mattis Janßen und Luka Wlodasch bei 14:20 brachte nicht die erhoffte Wende. Johannes Gottschall war da bereits auf dem Feld, er kam für Fabian Trost auf Außen. Entsprechend ernüchternd ging der erste Satz mit 18:25 an den PSV.

Mit leichter Ratlosigkeit, aber dem Willen, wenigstens kämpferisch und emotional deutlich zulegen zu wollen, ging es in Satz 2. Johannes Gottschall blieb auf dem Feld und bildete mit Mika Püschmann den Außenangriff, ansonsten schickte Philipp Maasberg erneut seine Startaufstellung aufs Feld. Lange Ballwechsel zugunsten der Braunschweiger am Satzanfang brachten nicht nur auf dem Feld den Glauben an die eigenen Stärken zurück, sondern weckten auch die Halle. Plötzlich entwickelte sich ein nicht hochklassiges, aber wahnsinnig spannendes Spiel auf Augenhöhe. Bis in die Crunchtime blieb es ein Kopf-an-Kopf Rennen, Libero David Tabak kam für den Heimdebütanten Tobias Feustel zur Stabilisierung der Annahme, und bei 21:21 sorgte Mittelblocker Mattis Jaeger mit einem guten Aufschlag für das ersehnte Break. Ein Angriffsfehler der Gäste, ein Braunschweiger Block und der Aufschlagfehler beim Satzball sorgten in der Folge für den Ausgleich. 

Mit diesem Rückenwind und einer lauten Halle hätte der USC in Satz 3 starten können. Stattdessen wurde das Spielen jedoch wieder fast vollständig eingestellt, Neustrelitz zum freien Einschlagen eingeladen und mit sehr viel Glück der Satz „nur“ zu 16 verloren. Viel mehr ist auch nicht passiert, die Zeit ließ sich für die Zuschauer*innen gut zum Getränke holen nutzen, im Prinzip eine 10 Minuten Pause, gefüllt mit Neustrelitzer Highlightangriffen und Braunschweiger Lowlights.

Der Zusammenhalt brachte am Ende den Sieg. /Jakob Simko

Wenn aber was an diesem Abend beim USC klappte, dann war es die erstaunliche Fähigkeit, sich die vergangenen Sätze nicht merken zu können. Als wäre nichts passiert, zauberten die 6 auf dem Spielfeld, mittlerweile angeführt vom 18-Jährigen David Galland, einen Ball nach dem anderen raus und gewannen ebenfalls gänzlich ungefährdet mit 25:16. Tie-Break. Für die Neustrelitzer weiterhin nichts ungewohntes, ging bei ihnen in dieser Saison noch kein Spiel kürzer. Auch die Braunschweiger haben in der Ferne schon mal den Nervenkitzel gespürt, als sie hochdramatisch in Köln gewannen. Mit dem Start auf der an diesem Samstagabend eindeutig besseren Seite (am Wind hat es nicht gelegen) erspielten sich die Maasberg-Männer durch zwei Asse von Luka Wlodasch und einem massiven Einerblock von David Galland zum Seitenwechsel eine 8:5 Führung. Mit Wechsel zeigte sich die verfluchte Seite wieder, schnell Stand es 8:8, und bei 15:14 gab es den ersten Matchball für die Gäste. Mit Dalgas stand der Spieler an der Linie, der gegen Giesen II das Spiel mit zwei Assen im Tie-Break beendete. Doch dieses Mal segelte der Ball weit ins Aus, der anschließende Punkt wurde aus der Abwehr gekratzt und beim zweiten Matchball für Braunschweig trat der sonst starkt spielende Paul Sprung aus dem Hinterfeld über.

Angepeitscht vom sehr lauten Publikum blieben also auch die nächsten 2 Punkte in Braunschweig, mit der goldenen MVP Medaille wurde auf Braunschweiger Seite Mika Püschmann ausgezeichnet. 

Das nächste Spiel für den USC Braunschweig ist am 03.10. Auswärts in Essen, das nächste Heimspiel in der 2. Bundesliga steht am 17.10. um 19:30 gegen die Kieler Adler an.