Es sollte ein denkwürdiger Auftakt in die Saison 26/27 werden, doch erstmal gab es für das Team von Coach Maasberg eine Hiobsbotschaft zu verarbeiten: Mittelblocker Tobias Thie zog sich beim Aufbau eine Platzwunde zu und fiel für das Spiel aus, konnte jedoch mit Kopfverband und Kamera in der Hand das Team vom Rand supporten.

Nach dieser Schreckminute konnte sich ein erster Eindruck vom Gegner verschafft werden, beim Warm-Up schlugen die Bälle nur so rechts und links ein. Die Dynamik brachte bei einigen USClern die leichte Sorge auf, beim Heimauftakt vielleicht chancenlos baden zu gehen. Aber auch die Erkenntnis, dass es hier nichts zu verlieren gibt.
Bereits weit vor Spielbeginn füllte sich die Halle, und die Fans auf den ausverkauften Rängen sahen einen Blitzstart in die 2. Liga Saison. Bei 4:0 wollte der Giesener Co-Trainer Maurice Fröhleke, der den verhinderten Cheftrainer Martin Richter vertrat, bereits die erste Auszeit nehmen, lies sich jedoch durch seinen Kapitän umstimmen. Als er sie dann bei 5:0 nahm, war der Start durch gute Aufschläge von Fabian Trost, der gemeinsam mit Mika Püschmann den Außenangriff besetzte, besiegelt. Die Auszeit zeigte jedoch Wirkung, Giesen setzte mit druckvollen Sprungaufschlägen dem Annahmeriegel um Libero und Zweitligadebütant David Tabak mit fortschreitendem Satz immer mehr zu und auch das Sideout der „Superzweiten“ stabilisierte sich. Dem hohen Tempo im Zuspiel und extrem athletischen Außen mit Ex-Erstligaspieler Julian Hoyer und 2,01m Riese Phil Hotho konnte zu dieser Phase nichts entgegengesetzt werden. Ob über den Dreierblock, extreme Winkel oder clevere Lösungen: der erwartete Klassenunterschied zwischen Aufsteiger und einem Zweitliga-Topteam kam immer stärker zum Vorschein. Die erste Auszeit auf Braunschweiger Seite bei 13:15 zeigte keine Wirkung, Onno Möller sezierte die Annahme nach belieben und bei 13:18 sahen sich wohl einige bereits schnell wieder nach Hause fahren. Was dann passierte, war bereits das erste Wunder an diesem emotionalen Abend. Die Bundesligareserve aus der Nähe von Hildesheim wähnte sich schon sicher, als durch kleine Fehler die Maasberg-Männer den Glauben an sich selbst wiederfanden. Zweitligaveteran und Sprungwunder Pascal Grothe fand auf der Diagonalposition im Angriff langsam sein gewohntes Spiel und riss das restliche Team auch emotional mit. Als beim Stand von 17:20 der neue Zuspieler Mattis Janßen, zur Ironie des Abends aus Giesens dritter Mannschaft gekommen, mit seinen 1,85m den mit Abstand höchsten Spieler Hotho im Einerblock abräumte und Giesen in die zweite Auszeit zwang, war die Halle voll da. Ein glückliches Netzrollerass später war man wieder voll im Rennen um Satz eins. Mit Max Rössig und Mattis Jaeger, Neuzugang und ebenfalls Debütant, sorgten die zwei Mitten mit Aufschlag und dem nächsten Block gegen Giesens Außen für den Ausgleich. Als bei 24:24 Fabian Trost erneut an die Aufschlaglinie rotierte und ein Ass sowie einen Overpass zum Satzgewinn servierte, brandete erstmals tosender Applaus auf.

Beide Mannschaften starteten unverändert in Satz 2, diesmal startete Giesen besser. Mit Max Rössig am Aufschlag wurde jedoch aus einem 5:8 eine 9:8-Führung und der Satz entwickelte sich auf beiden Seiten zu einem Kopf-an-Kopf Rennen. Bei 20:18 ging die Heimmanschaft erstmals mit 2 Punkten in Front und spielte konsequent Sideout, sodass Pascal Grothe mit einem wuchtigen, für den später als MVP ausgezeichneten TSV-Libero Timon Peckmann schmerzhaften, Angriff den zweiten Satz und damit den ersten Saisonpunkt für die Löwenstädter holte. Das Trainerteam der Braunschweiger jubelte frenetisch. Schon jetzt war es eine faustdicke Überraschung.
In Satz 3 gelang dann alles beim USC: während Giesen sich schon bei der Aufstellung verschrieb und Onno Möller unerwartet auf der Bank Platz nehmen musst, spielten sich die Braunschweiger, dirigiert vom Ex-Giesener und späteren Gold-MVP Mattis Janßen, in einen Rausch und punkteten im Angriff nach belieben. Bei 20:10 rieben sich viele die Augen, zwischenzeitlich hatte der Magdeburger Louis Meyer sein Bundesligadebüt als Aufschlagjoker gefeiert, und glaubten endgültig an einen Heimsieg. Mit 25:15 ging dieser Abend erwartet deutlich zu Ende, jedoch anders herum als wohl alle erwartet hatten.

So überschwänglich die Freude in Braunschweig ist, so klar ist auch: das waren die ersten 3 Punkte gegen einen im Zuspiel ersatzgeschwächten Gegner auf einem sehr langen Weg Richtung Klassenerhalt. Lässt man auch nur ein paar Prozente nach, werden die nächsten umso schwerer.
Ein richtungsweisendes Wochenende steht für den Aufsteiger an, wenn es am 19.09. in Köln gegen den Vorjahresfünften und am 20.09. in Frankfurt gegen das Volleyballinternat, bestehend aus der Juniorennationalmannschaft, geht. In beide Spiele geht der USC erneut als klarer Außenseiter, will wieder alles reinwerfen und im Bestfall was zählbares nach Braunschweig mitbringen.
